< Zahlungsansprüche jetzt bundesweit handelbar
09.01.19 23:00 Alter: 75 days
Kategorie: markttipps, raicom-Markttipps

Getreidepreise spiegeln Dürrejahr wider


Deutschland gehört zu den Ländern im nördlichen Europa, in denen die Getreideernte 2018 durch die Trockenheit besonders in Mitleidenschaft gezogen wurde. Das trieb die Preise kräftig nach oben, wobei allerdings die teils preisgünstige Konkurrenz aus dem Ausland den Spielraum nach oben begrenzte.

 

 

So wurden in Deutschland nur 20 Mio. t Weizen gedroschen,

17 % weniger als 2017. Noch gravierender ist das Minus beim

Körnermais. Neben den trockenheitsbedingten Ertragsausfällen kamen

zusätzlich Flächenrückgänge hinzu. Aus Mangel an Viehfutter im

trockenen Sommer 2018 wurden 7 % der bundesweiten

Körnermaisfläche vorzeitig als Silomais gehäckselt. So kamen

letztendlich noch 3,1 Mio. t Körnermais zusammen, ein Drittel

weniger als im Vorjahr. Punkten konnten indes Sommergerste und

-weizen. Allerdings nur, weil die Anbaufläche überproportional

ausgedehnt worden war. Denn in vielen Bundesländern war es bereits

zur Aussaat der Winterungen im Herbst zu trocken, sodass die

Anbauplanung nicht erfüllt werden konnte. Das ließ Platz für mehr

Sommerungen. Doch auch hier gab es hohe Ertragseinbußen.

Hinsichtlich der Qualitäten zeichnet sich ein noch heterogeneres

Bild als in den Vorjahren ab. Und was bei Weizen von Vorteil war ?

die kleine Korngröße und infolgedessen ein hoher Proteinanteil ?

wurde der Braugerste zum Verhängnis. Viele Partien erreichten die

Qualitätsstandards nicht. Damit ist das Getreideangebot in

Deutschland im Wirtschaftsjahr 2018/19 ausgesprochen knapp. Im

langjährigen Durchschnitt werden jährlich 44,2 Mio. t Getreide in

Deutschland verbraucht, 2018 wurden nur 36 Mio. t geerntet.

Gerste steht an der Spitze

der Futtergetreidepreise

 

 

Die absehbar schlechte Ernte hat die Käufer schon frühzeitig auf

den Plan gerufen und den Abschluss von Vorkontrakten angeheizt.

Gleichzeitig gab es kein Angebot, denn die Landwirte wollten erst

ihr Ernteergebnis abwarten, um weitere Lieferverträge einzugehen.

Das trieb die Getreidepreise kräftig nach oben. Zwischen Ende Juni

und Mitte bis Ende August legten die Erzeugerpreise im Schnitt um

ein Fünftel zu. Ende August war das Gros der deutschen

Halmgetreideernte unter Dach und Fach ? und es hatte noch immer

nicht geregnet. So wurden die Vorkontrakte so gut es ging bedient

und die restlichen Mengen wanderten in der Hoffnung auf weiter

steigende Preise vorerst in die Läger. Den erhofften

Preisaufschwung gab es jedoch nicht. Die Preise gaben einen Teil

der Gewinne aus dem überhitzen Markt wieder ab und dümpeln seither

dahin. Dabei weisen Gerste und Weizen immerhin leicht feste

Preistendenzen auf, Mais entwickelt sich hingegen preislich kaum.

Letzteres liegt vor allem an der hohen, preisgünstigen Konkurrenz

aus dem Ausland. Noch nie hat Deutschland im ersten Quartal eines

Wirtschaftsjahres so viel Mais eingeführt wie 2018/19 mit knapp

540.000 Tonnen. Das hat sogar dazu geführt, dass Mais in dieser

Saison preisgünstiger bewertet wird als Weizen oder Gerste. Die

beiden letzteren liegen nämlich ? und auch das ist ein Novum ? auf

einem Niveau. Das heißt, für Futtergerste wird so viel gezahlt wie

für Brotweizen. Ende Dezember lagen die Erzeugerpreise frei

Erfasserlager für Futtergerste im Bundesdurchschnitt bei 189,31

EUR/t und so 35 % über der Vorjahreslinie. Futterweizen wurde

mit 188,46 EUR/t (+27 %) bewertet, Brotweizen mit

190,56 EUR/t (+28 %) und Körnermais mit 174,39 EUR/t

(+15 %). Braugerste wies zuletzt eine anhaltend feste

Preistendenz auf, sie liegt mit 225,41 EUR/t allerdings nur

17 % über der Vorjahreslinie.

Ausblick

Auch wenn sich vor Weihnachten der Getreidemarkt aufgrund der

guten Versorgung der inländischen Mühlen und Mischfutterhersteller

deutlich beruhigt hat, hoffen die Anbieter jedoch auf eine

Neubelebung der Getreidenachfrage im ersten Quartal 2019. Dabei

setzen sie vor allem auf das bislang noch stiefmütterliche

Exportgeschäft mit Weizen. Aufgrund der großen Konkurrenz aus

Russland konnte die EU, und noch weniger Deutschland, am Weltmarkt

punkten. Mit dem absehbar schwindenden Exportpotenzial in Russland

erhöhen sich die Chancen für andere Exporteure wie die USA, Kanada

und Argentinien. Da wird es das deutsche Angebot schwer haben, sich

platzieren zu können. So wird wohl auch in der zweiten

Wirtschaftsjahreshälfte der Futtergetreidemarkt führend bleiben,

selbst wenn der Gerstenexport in Drittländer zuletzt sukzessive

zurückging. Falls der Weizenexportmarkt nicht belebt werden könnte,

wird wohl noch mehr Brotweizen und wohl auch mehr Qualitätsweizen

in die Mischfutterherstellung wandern. Zudem bleibt abzuwarten, wie

sich die Vegetationsbedingungen entwickeln. Auch wenn es im

November geregnet hat, sind die Böden in weiten Teilen Deutschlands

weiterhin unterversorgt und bieten den Feldbeständen wenig

Potenzial. Ohnehin sind die Flächen für Winterrungen aufgrund der

Trockenheit massiv eingeschränkt worden, sodass sich das

Getreideangebot im nächsten Jahr in Deutschland wohl kaum erholen

wird.(AMI)


Logo