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04.02.20 09:21 Alter: 14 days
Kategorie: news, raicom-News

Umweltverbände und Ökobranche sehen weiteren Handlungsbedarf


Umweltverbände, die Ökobranche und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) sehen über den "Preisgipfel" hinaus deutlichen Handlungsbedarf der Politik zu Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugerpreise. Ein einzelner "Preisgipfel" von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel mit dem Lebensmitteleinzelhandel reiche nicht aus, wolle man faire Preise und Naturschutz in der Lebensmittelkette in Einklang bringen, erklärte der World Wide Fund for Nature (WWF) Deutschland. "Die Verantwortung für eine Landwirtschaft, von der die Landwirte leben können und die gleichzeitig Boden, Wasser, Klima und Artenvielfalt schützt, endet nicht beim Handel", so der geschäftsführende WWF-Vorstand Eberhard Brandes, zum heutigen Spitzengespräch im Kanzleramt.



Die Verantwortung gelte für Verbraucher genauso ein wie die Landwirte selbst, betonte Brandes. Der "Preisgipfel" dürfe daher nur der Anfang sein für einen breiten gesellschaftlichen Dialog über den Wert von Lebensmitteln und Natur und über die Wertschätzung für nachhaltige landwirtschaftliche Praxis in Deutschland.



Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) rief die Bundesregierung zu einem Verbot für Ramschangebote auf. "Wer den Liter Milch für nur 60 Cent anbietet und somit der Bäuerin oder dem Bauern nur etwa 30 Cent bezahlt, der ist mitverantwortlich für das Höfesterben", erklärte der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt. Er sieht die Lebensmittelindustrie in der Pflicht, bei der sozial-ökologischen Agrarwende hin zu mehr Umwelt- und Klimaschutz sowie fairen Preisen mitzumachen.



Der Vorsitzende des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, warf Politik und Agrarwirtschaft vor, die Konkurrenzfähigkeit auf den globalen Agrarmärkten jahrzehntelang zum Leitbild erhoben und damit Niedrigstpreise sowie Strukturwandel in Kauf genommen zu haben. Jetzt brauche es eine Qualitätsstrategie bei Lebensmitteln. Vorbild sei hier das stetig wachsende Interesse an ökologisch erzeugten Lebensmitteln. "Wenn wie bei Bio erkennbar ist, dass bei der Erzeugung auf den Schutz von Umwelt, Tieren und Klima geachtet wird und gleichzeitig Vertrauen herrscht, dass der Einkauf der Existenzsicherung bäuerlicher Betriebe dient, sind auch höhere Preise durchsetzbar", zeigte sich Prinz Löwenstein überzeugt.



Derweil forderte der Greenpeace-Landwirtschaftsreferent Dirk Zimmermann bei einer gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) vor dem Kanzleramt durchgeführten Protestkundgebung, dass die Supermarktketten ihre Marktmacht nicht länger missbrauchen dürften, "um rücksichtsloses Preisdumping auf Kosten von Landwirten, Tieren, Umwelt und Klima durchzusetzen". Die Produktion von Billigfleisch und Milch zu Weltmarktpreisen dränge die Bauern wirtschaftlich und gesellschaftlich ins Aus, stellte AbL-Bundesgeschäftsführer Georg Janßen ergänzend fest. Erforderlich seien faire Erzeugerpreise und Planungssicherheit für eine artgerechte Tierhaltung. AgE


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